Krise meistern - Beschäftigung sichern
Die weltweite wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2010 fordert Politik, Gesellschaft und Wirtschaft auch in Deutschland in besonderem Maße. Finanzkrise, turbulente Aktienmärkte und eine unsichere Nachfrage zwingen die Unternehmen, noch stärker als zuvor weitere effizienz- und effektivitätssteigernde Maßnahmen zu ergreifen, um das kurzfristige Überleben und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Dabei darf eine zentrale Herausforderung, vor der Unternehmen schon heute stehen und die in den nächsten Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen wird, nicht aus dem Blickfeld geraten: der demografische Wandel und seine Auswirkungen. Risiken dieser demografischen Entwicklung für den deutschen Arbeitsmarkt werden allerorts beschworen. Auch die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ ist in aller Munde. Nichtsdestoweniger steckt die Diskussion um die Notwendigkeit einer Lebenslaufpolitik in Deutschland noch ganz am Anfang. Unternehmen aller Branchen und Größen müssen sich gerade jetzt umfassend mit dieser Thematik auseinandersetzen, wenn sie aus der Krise wettbewerbsfähig hervorgehen möchten.
Vor dem Hintergrund der Finanzkrise auf der einen und des demografischen Wandels auf der anderen Seite steht das Personalmanagement besonders unter Druck: Es muss die kurzfristige Anpassung des Unternehmens an die aktuelle wirtschaftliche Krise gewährleisten und gleichzeitig eine langfristige und nachhaltige
Personal- und Beschäftigungspolitik sicherstellen. Erfolgreiche Unternehmen brauchen motivierte, gut ausgebildete Mitarbeiter – auch und gerade in wirtschaftlichen Krisensituationen. Die „Ressource“ Mensch ist ein wichtiger strategischer Erfolgsfaktor, mit dem verantwortlich umgegangen werden muss. Wissen, Können und Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter dürfen nicht durch übereilte, kostengetriebene Maßnahmen aufs Spiel gesetzt werden und zukünftiges Wachstum gefährden. In Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels können vorschnelle Entlassungen die Unternehmen langfristig schwächen. Deshalb gilt es, nach alternativen Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung zu suchen, um betriebsbedingten Kündigungen mit geeigneten Lösungen zur Steuerung der jeweils erforderlichen Personalkapazitäten entgegenzuwirken. Denn jede Krise bietet auch eine Vielzahl von Chancen – und clevere Unternehmen nutzen sie.
Lösung- lebenszyklusorienterte Personalentwicklung

Moderne Lebensverläufe sind unter anderem beeinflusst vom demografischen Wandel (z. B. Verlängerung der Lebenserwartung), wie bildungspolitischen Beschlüssen (z. B. Schul- und Studienzeitverkürzung), sozialgesetzlichen Regulierungen (z. B. Teilzeitgesetzgebung, Anhebung der Altersgrenzen), strukturellen Veränderungen in der Arbeitswelt (Arbeitslosigkeit, Abweichungen vom
so genannten „Normalarbeitsverhältnis“) sowie nicht zuletzt insgesamt vom sozialen Wandel in unserer Gesellschaft (z. B. Hinausschieben des Heiratsalters, Kinderlosigkeit). Vor diesem Hintergrund geht es darum, die Balance zwischen den
Möglichkeiten und Anforderungen der Erwerbsarbeit sowie den Möglichkeiten und Anforderungen anderer Lebenstätigkeiten zu finden. Dabei hat sich gezeigt, dass es schon bei der Rekrutierung von neuen Arbeitnehmern für die Arbeitgeber von immensem Vorteil ist, Beschäftigungsverhältnisse anbieten zu können, die großen Nutzen für das gewünschte Selbstmanaagement in der Lebensplanung der Mitarbeiter bieten und weniger Entgrenzung von der Arbeit fordern. Mit entsprechendem lebenszyklusorientiertem Personalmanagement lässt sich eine verbesserte Mitarbeiterbindung, eine Erhöhung der Motivation und des Engagements der Beschäftigten erzielen. Die neue Herausforderung besteht darin, Ereignisse und soziale Risiken im Zusammenhang mit der Abstimmung von Arbeitszeit und Privatleben, insbesondere in Phasen starker Belastungen, etwa durch alte und neue Familienaufgaben, wie Kindererziehung oder Elternpflege, aber auch mit zeitlichen Erfordernissen zu Sicherung erwerbsbiografischer Mobilität und Kontinuität, z. B. für berufliche Fort- und Weiterbildung abzufedern. Lebensereignisse sind größere Einschnitte in der persönlichen und beruflichen Biografie. Sie betreffen in ihren Konsequenzen nicht nur das Individuum, sondern auch das Unternehmen als Arbeitgeber. Beim lebenszyklusorientierten Personalmanagement geht man davon aus, dass die Ereignisse im Leben der Mitarbeiter in der Personalarbeit berücksichtigt werden müssen. Ziel ist es, betriebliche Vorgaben und individuelle Herausforderungen auszu ba lancieren, und damit das Potenzial aller Mitarbeiter optimal in das Unternehmen einzubringen – alters- und geschlechtsunabhängig.
Das macht das Personalmanagement flexibel, weil es auf die gesellschaftlichen wie die beruflichen und privaten Belange des einzelnen Mitarbeiters schnell reagieren kann. Zwischen den Bereichen Arbeitsmarkt, Personal-Ressourcen und Alterssicherung stehen nach dem „Flexi-Gesetz“ Zeitwertkonten und Lebensarbeitszeitmodelle gleichsam als Scharniere. Sie ermöglichen genau die Flexibilisierung der Arbeit, der im Zusammenhang mit der steigenden Lebenserwartung, dem Älterwerden der Bevölkerung und der daraus resultierenden Ausweitung der Lebensarbeitszeit künftig eine überragende Bedeutung zu kommt.





