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Auch das Personal will motiviert werden

 

 

Personalbindung und -Gewinnung durch ein Zeitwertkonto

 

Unsere Gesellschaft steht vor weitereichenden Umbrüchen. Die Geburtenrate in Deutschland ist anhaltend niedrig, was dazu führen wird, dass künftig weniger junge Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Fakt ist ferner, dass unsere Lebenserwartung steigt und wir alle älter werden als vorhergehende Generationen. Diese demografischen Veränderungen stellen eine Herausforderung für die Alterssicherungs-Systeme dar. Auf diese Herausforderung hat der Gesetzgeber reagiert. Beispielsweise mit dem Gesetz zur stufenweisen Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre.

 

Die Vorteile von Zeitwertkonten

 

Die Argumente, die für familienfreundliche und flexible Arbeitszeitmodelle sprechen, sind vielfältig. Richtig umgesetzt ist ein Zeitwertkonto eine echte Win-Win-Situation für Mitarbeiter und Arbeitgeber. Beide Seiten können und sollen gleichermaßen profitieren: Beschäftigte erhalten die notwendige Flexibilität und die Verlässlichkeit, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können. Arbeitgeber hingegen können qualifizierte Beschäftigte halten und neue gewinnen, sparen Wiedereingliederungskosten und motivieren Eltern in ganz besonderem Maße. Flexibilität und Familienfreundlichkeit sind kein Widerspruch – sondern ergänzen einander vielmehr.

 

Praxisbeispiele zur Einführung von Lebensarbeitszeitmodellen

 

St. Elisabeth-Stiftung, Bad Waldsee

Vor diesem Hintergrund hat im Jahr 2014 die St. Elisabeth-Stiftung, Bad Waldsee, unter dem Namen „zeitWERT“ ein Zeitwertkonto eingeführt. Annemarie Strobl, Stiftungsvorstand, bringt es auf den Punkt: „Die Anhebung des Renteneintrittsalters ist für unsere rund 1.750 Mitarbeitenden Realität und bringt die Ungewissheit, ob der eigene Gesundheitszustand die Anforderungen des jeweiligen Arbeitsplatzes bis zur Rente erfüllen wird. Die Frage, die sich die Mitarbeiterschaft stellt, lautet doch im Regelfall nicht: „Wie lange möchte ich eigentlich arbeiten?“ – sondern vielmehr: „Wie lange kann ich eigentlich arbeiten?“ – „Wie lange und in welcher Art und Weise lassen körperliche und geistige Kräfte überhaupt eine Teilnahme am Arbeitsleben zu?“.

 

Das neue Zeitwertkonto „zeitWERT“ ist bereits jetzt ein voller Erfolg: Nur ein Jahr nach dem Implementierungsstart konnten schon über 1.100 Zeitwertkonten für die St. Elisabeth-Mitarbeitenden eingerichtet werden. „Darauf können alle Beteiligten, die an diesem tollen Ergebnis mitgewirkt haben, wirklich stolz sein“, lautet das Fazit von Annemarie Strobl.

 

Pflegezentrum St. Verena, Rielasingen-Worblingen

Auch das Pflegezentrum St. Verena in Rielasingen-Worblingen hat sich dieser Herausforderung gestellt. „Immer mehr Pflegebedürftigen stehen immer weniger Pflegekräfte gegenüber. Gerade der Pflegeberuf ist ein schwerer Beruf. Man kann von den Mitarbeitern nicht erwarten, dass die Leistungskraft bis ins hohe Alter erhalten bleibt. Dehalb haben wir sehr erfolgreich ein Zeitwertkonto eingeführt“, erklärt die Heimleiterin Gisela Meßmer. „Den größer werdenden Fachkräftemangel bekommen wir immer stärker zu spüren. Umso wichtiger wird es, das vorhandene Personal zu binden“, weiß auch Jürgen Stockmann, Vorstandsvorsitzender im Pflegezentrum St. Verena und Gisela Meßmer ergänzt: „Wir sind stolz darauf, dass wir als Dienstgeber, als einer der ersten in unserer Region, ein Zeitwertkonto eingeführt haben, dass ist auch für unser Pflegepersonall etwas Außergewöhnliches und Zukunftorientiertes“.

 

Durch ein Zeitwertkonto bieten sich für die Mitarbeiter individuelle Lösungen um unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang zu bringen, denn ein solches Wertkonto kommt dem Wunsch nach einer freien Lebensgestaltung oder nach noch mehr finanzieller Sicherheit im Alter entgegen.

 

Stift Tilbeck GmbH, Havixbeck/Münster

So setzte auch Uwe Holtmann, Leiter des Personalwesens bei der Stift Tilbeck GmbH in Havixbeck bei Münster durch die Einführung eines innovativen Zeitwertkontos weithin sichtbare Zeichen. Das kirchliche Sozialunternehmen für Behinderten- und Altenhilfe beschäftigt über 700 Mitrabeiter. „Vor dem Hintergrund der Rente mit 67 Jahren haben wir unseren Mitarbeitern mit einem Zeitwertkonto die Möglichkeit gegeben, ihr Renteneintrittsalter individuell zu gesalten.“ Die Beschäftigten hätten somit die Chance, ohne lebenslange Abzüge in der Altersrente über das Ende ihrer beruflichen Tätigkeit selbst zu bestimmen, Das, so der Personalleiter, fänden viele seiner Mitarbeiter einfach sehr attraktiv. „Ich glaube, dass die Gewinnung der Mitarbeiter eines der zentralen Themen für eine Einrichtung wie unser Haus ist. Gerade im Bereich der sozialen Dienstleistung ist es wichtig, dauerhaft kompente Mitarbeiter zu binden“, ergänzt der Stift-Tilbeck-Geschäftsführer Bernward Jacobs. Denn die menschliche Beziehung zwischen den Mitarbeitern und den zu betreuenden Personen sei eines der tragenden Elemente – entsprechend bedeutsam sei es, qualifizierte und motivierte Mitarbeiter zu binden.

 

Fazit

 

Diese Beispiele belegen, wie mittels Zeitwertkonten durch unternehmerische Weitsicht und verantwortungsvolle Entscheidungen Freiräume für die Beschäftigten geschaffen wurden – und das durch eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Denn eine mitarbeiterbewusste Personalpolitik ist unternehmerisches Handeln im besten Sinne. Warum? Weil die Arbeitnehmer/-innen das Angebot eines Zeitwertkontos schätzen. Sie wissen, dass Wertkontenmodelle es ihnen ermöglichen, ihr Renteneintrittsalter schon während ihrer Berufstätigkeit frühzeitig und aktiv zu gestalten und damit über die Beendigung ihrer Tätigkeit weitgehend selbst zu bestimmen. Und nicht zuletzt, weil sie stolz darauf sind, in einem Unternehmen zu arbeiten, das innovative Ideen zur Lebensarbeitszeit und zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie erfolgreich umsetzt.

 

Angesichts der durch Verknappung von Arbeitskräften gestellten, besonderen Anforderungen an die Gewinnung und Bindung von qualifizierten und motivierten Mitarbeitern wird der Wettbewerb der Zukunft vor allem auf den Personalmärkten entschieden. Denn die Beschäftigten werden die Attraktivität eines Arbeitgebers zunehmend auch danach bewerten, inwieweit er sie dabei unterstützt, Privat- und Berufsleben miteinander in Einklang bringen zu können. Für eine soziale und wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaft brauchen wir eine neue Verbindung von Arbeit und Leben, von Familie und Beruf. Dazu zählt für die meisten Menschen auch, Zeit und Kraft für die Familie zu haben.

 

Eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die ihren Namen verdient, erfordert ein stärkeres Umdenken in vielen Unternehmen und Einrichtungen. Die Arbeitgeber müssen erkennen, dass sie qualifizierte Beschäftigte dann besser und längerfristiger an sich binden können, wenn sie durch die Einführung eines Zeitwertkontos auf die unterschiedlichen Bedürfnisse in verschiedenen Lebensphasen stärker eingehen, wenn sie ihren Arbeitnehmern dadurch eine Balance zwischen Job und Privatleben ermöglichen.

 

Vor diesem Hintergrund stellt eine familienbewusste Personalpolitik demnach einen wichtigen betriebswirtschaftlichen Entscheidungsparameter dar, der den Erfolg maßgeblich positiv beeinflusst.