Mit Zeitwertkonten flexibel in der Krise

Zeit­wert­kon­ten schaf­fen in der Coro­na-Kri­se Fle­xi­bi­li­tät

Mit Freistellungen flexibel umgehen –
Ungeplante Auszeiten kurzfristig nehmen

In Kri­sen­zei­ten sind Fle­xi­bi­li­tät und schnel­le Anpas­sung gefor­dert – auch und beson­ders in der Arbeits­welt. „Da hilft es, wenn Unter­neh­men und Orga­ni­sa­tio­nen mit ent­spre­chen­den Zeit­wert­mo­del­len vor­ge­sorgt haben“, sagt Harald Röder, Grün­der und Inha­ber der Deut­schen Bera­tungs­ge­sell­schaft für Zeit­wert­kon­ten und Lebens­ar­beits­zeit­mo­del­le (DBZWK). „Zeit­wert­kon­ten lösen vie­le Pro­ble­me in der Arbeits­welt und hel­fen auch in Kri­sen­zei­ten, mir die Gestal­tungs­ho­heit über mei­ne Lebens­ar­beits­zeit zu bewah­ren, wie wir jetzt am Bei­spiel der St. Eli­sa­beth-Stif­tung in Bad Wald­see sehen.“

Vie­le Unter­neh­men haben sie mitt­ler­wei­le im Ein­satz: die Deut­sche Post, die Tele­kom, die Deut­schen Bahn oder Bosch. In der Metall­in­dus­trie sind sie neu­er­dings Tarif­be­stand­teil, die Gewerk­schaft Ver­di möch­te sie zum sel­bi­gen machen – Zeit­wert­kon­ten. Allein in der Bosch-Grup­pe spricht deren Per­so­nal­ab­tei­lung von mehr als 100 ver­schie­de­nen Arbeits­zeit­mo­del­len, die fle­xi­ble Zei­ten, Sab­ba­ti­cals, Job­sha­ring und Arbeits­zeit­kon­ten umfas­sen. Es gehe, so die für die Mit­ar­bei­ter­ge­win­nung bei Bosch ver­ant­wort­li­che Hei­di Stock in einem jüngst erschie­ne­nen FAZ-Inter­view, „vor allem um Fle­xi­bi­li­tät“. Trei­ber die­ser gewünsch­ten Fle­xi­bi­li­tät sei­en die Fami­li­en, die Kin­der­si­tua­ti­on, pfle­ge­be­dürf­ti­ge Eltern, auf­wen­di­ge Hob­bys oder sozia­les Enga­ge­ment.

Man könn­te mei­nen, der Gesetz­ge­ber habe genau für die­se Ziel­grup­pe das Fle­xi-II-Gesetz geschaf­fen. Und in der Tat ist dem auch so. Denn dar­in wer­den die Kon­struk­te Lang­zeit- und Lebens­ar­beits­zeit­kon­ten gesetz­lich gere­gelt. „Klingt ein­fach, ist es in der Pra­xis aber nicht“, sagt Harald Röder. „Es gibt unzäh­li­ge Mög­lich­kei­ten, mit der Arbeits­zeit der Mit­ar­bei­ten­den fle­xi­bel umzu­ge­hen und die­se zu regeln.“ Ent­schei­dend dabei sei aber, wel­ches Modell die höchs­te Akzep­tanz bei den Mit­ar­bei­ten­den erfah­re. „Und hier geht es neben dem Fak­tor Fle­xi­bi­li­tät um das Erfül­len von kla­ren Bedar­fen, die sei­tens der Mit­ar­bei­ten­den heut­zu­ta­ge an einen moder­nen Arbeit­ge­ber her­an­ge­tra­gen wer­den“, so Röder.

Harald Röder der DBZWK

Für Harald Röder, Geschäfts­füh­rer der DBZWK mit Sitz in Lorch, sind Zeit­wert­kon­ten der Schlüs­sel für mehr Fle­xi­bi­li­tät – auch und beson­ders in Kri­sen­zei­ten. „Damit erhal­ten sich Mit­ar­bei­ten­de ihre Gestal­tungs­ho­heit über ihre Lebens­ar­beits­zeit.“

Nicht nur High-Poten­ti­als bin­den
Für Harald Röder sind Zeit­wert­kon­ten dafür der ver­bin­den­de Schlüs­sel. Mit ihnen lie­ßen sich nicht nur High-Poten­ti­als, die sich ihren Wunsch nach Aus­zeit oder einem Sab­ba­ti­cal erfül­len könn­ten, an das Unter­neh­men bin­den. „Alle Mit­ar­bei­ten­den haben über Zeit­wert­kon­ten die Chan­ce, ihre Lebens­ar­beits­zeit indi­vi­du­ell und fle­xi­bel zu pla­nen. Da ist neben der Aus- die Eltern­zeit genau­so mög­lich, wie die Pfle­ge­zeit von Ange­hö­ri­gen oder der vor­ge­zo­ge­ne Ruhe­stand für die Baby­boo­mer.“ Denn vie­le die­ser Genera­ti­on, so weiß Röder mitt­ler­wei­le aus vie­len Kun­den­pro­jek­ten, möch­ten vor dem gesetz­li­chen Ren­ten­al­ter in Ruhe­stand gehen, ande­re aber auch noch wei­ter­ar­bei­ten. „Bei­de Lebens­mo­del­le, Vor­ru­he­stand wie län­ger arbei­ten, um höhe­re Ren­ten­an­sprü­che zu bekom­men, sind mit Zeit­wert­kon­ten bes­tens steu­er­bar.“

Für Gut­ha­ben auf Zeit­wert­kon­ten gilt: Sie sind insol­venz­ge­si­chert, sor­gen für sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Schutz und kön­nen von einem auf einen ande­ren Arbeit­ge­ber über­tra­gen wer­den. Die­se Fak­to­ren ste­hen grund­sätz­lich für Sicher­heit und schaf­fen Ver­trau­en. Doch genau die­ses Ver­trau­en wird in Kri­sen wie der aktu­el­len Coro­na-Pan­de­mie auf den Prüf­stand gestellt. Was nutzt mir jetzt ein Zeit­wert­kon­to? Kann ich damit mein Kurz­ar­bei­ter­geld durch Ent­nah­me auf­sto­cken? Harald Röder sagt ganz klar Ja. „Aller­dings könn­te sich die Ent­nah­me nega­tiv auf die Net­to­dif­fe­renz zwi­schen der Ver­gü­tung vor und nach der Kurz­ar­beit und damit auf die Bemes­sungs­grund­la­ge für das Kurz­ar­bei­ter­geld selbst aus­wir­ken. Ich emp­feh­le, mit der Bun­des­agen­tur für Arbeit das abzu­klä­ren.“

Zeit­wert­kon­ten schaf­fen gewünsch­te Frei­räu­me
Viel wich­ti­ger ist Röder der Hin­weis, dass die Bun­des­agen­tur für Arbeit vor Gewäh­rung des Kurz­ar­bei­ter­gel­des die Ent­spa­rung eines Zeit­wert­gut­ha­bens nicht ver­lan­gen kann. Damit unter­schei­den sich Wert­gut­ha­ben aus­drück­lich von Fle­xi­kon­ten und Über­stun­den­mo­del­len, die im Vor­feld einer Kurz­ar­beit abge­baut wer­den müs­sen. „Das spricht ganz klar für Zeit­wert­kon­ten. Denn aktu­ell dürf­ten vie­le Men­schen glück­li­cher dar­über sein, ihre Über­stun­den nicht in Form von Frei­zeit neh­men zu müs­sen, son­dern die­se in ein Zeit­wert­kon­to „ein­zah­len“ zu kön­nen und sich damit zu einem spä­te­ren Zeit­punkt gewünsch­te Frei­räu­me zu schaf­fen.

Zeitwertkonten der DBZWK schaffen Flexibilität in der Krise

In der Coro­na-Kri­se fle­xi­bel und finan­zi­ell unab­hän­gig blei­ben – das ist mit Zeit­wert­kon­ten mög­lich. So kön­nen sich bei­spiels­wei­se Väter für einen bestimm­ten Zeit­raum frei­stel­len las­sen, um die Kin­der zu betreu­en und damit der Part­ne­rin den Rücken für ihre Tätig­kei­ten im Home­of­fice frei­zu­hal­ten.

Wer aber gera­de in der jet­zi­gen Kri­sen­si­tua­ti­on ein Zeit­wert­kon­to besitzt, hat den Vor­teil, dass die­ses auch für kur­ze Über­brü­ckungs­zei­ten genutzt wer­den kann – was bis­lang völ­lig außer­halb der gän­gi­gen Vor­stel­lun­gen lag. So müs­sen wäh­rend der Coro­na-Kri­se auf ein­mal Kin­der betreut wer­den, weil die Schu­len, Kin­der­gär­ten und Kin­der­ta­ges­stät­ten geschlos­sen haben. Um sol­che Zei­ten zu über­brü­cken, kann ein Teil des Gut­ha­bens auf einem Zeit­wert­kon­to ent­nom­men wer­den. Zwei Bei­spiel­rech­nun­gen machen das deut­lich (vgl. Gra­fi­ken im Anhang): Einen Monat über­brü­cken könn­te eine Per­son, sofern sie über drei Jah­re monat­lich auf einen Net­to­lohn von 28,22 Euro ver­zich­tet hät­te. Die­ser Rech­nung ist ein Monats­ein­kom­men von 1.800,00 Euro zugrun­de gelegt. Soll­te die betrof­fe­ne Per­son nur eine Teil­frei­stel­lung von bei­spiels­wei­se 50 Pro­zent bean­tra­gen, könn­te mit dem­sel­ben Gut­ha­ben eine Zeit von 2,1 Mona­ten über­brückt wer­den. Bei einem Monats­brut­to­ver­dienst von 2.500,00 Euro und einem monat­li­chen Net­to­ver­zicht in den letz­ten fünf Jah­ren von 53,67 Euro könn­ten sogar 2,5 Mona­te (bei 100 Pro­zent Frei­stel­lung) bzw. vol­le fünf Mona­te (bei 50 Pro­zent Frei­stel­lung) über­brückt wer­den.

Mit Zeitwertkonten kurzfristig Überbrückungszeiten nutzen

Zeit­wert­kon­ten kön­nen auch für kurz­fris­tig not­wen­di­ge Über­brü­ckungs­zei­ten genutzt wer­den – wie jetzt, in der Coro­na-Kri­se, wenn bei­spiels­wei­se für vier oder mehr Wochen die Kin­der zu Hau­se betreut wer­den müs­sen. Schon mit einem monat­li­chen Net­to­lohn­ver­zicht von 28,22 Euro bei einem Monats­ein­kom­men von 1.800,00 Euro brut­to ist nach nur drei Jah­ren Anspa­rung eine ein­mo­na­ti­ge Über­brü­ckungs­zeit gesi­chert. Wer sich nur zu 50 Pro­zent frei­stel­len lässt, erhöht die Aus­zeit­pha­se bei glei­chem Brut­to­lohn auf 2,1 Mona­te. Bei einem Monats­brut­to­ver­dienst von 2.500,00 Euro und einem monat­li­chen Net­to­ver­zicht in den letz­ten fünf Jah­ren von 53,67 Euro könn­ten sogar 2,5 Mona­te (bei 100 Pro­zent Frei­stel­lung) bzw. vol­le fünf Mona­te (bei 50 Pro­zent Frei­stel­lung) über­brückt wer­den.

Auch eini­ge der über 1.200 Mit­ar­bei­ten­den der St. Eli­sa­beth-Stif­tung, einem Sozi­al­un­ter­neh­men inner­halb des Cari­tas­ver­ban­des im ober­schwä­bi­schen Bad Wald­see, haben in der Coro­na-Kri­se von ihren Zeit­wert­kon­ten Gebrauch gemacht. Vor sechs Jah­ren imple­men­tier­te die DBZWK dort das Modell „zeit­WERT“. Beweg­grund für den Vor­stand der St. Eli­sa­beth-Stif­tung, Mat­thi­as Ruf, war ins­be­son­de­re, die Mit­ar­bei­ter­mo­ti­va­ti­on zu erhö­hen: „Wir stei­gern die Zufrie­den­heit der Mit­ar­bei­ten­den (…) zeit­WERT ist für Fach­kräf­te ein Argu­ment, sich bei uns zu bewer­ben und (…) lang­fris­tig bei uns zu blei­ben.“ Von einer Kri­se wie der aktu­el­len hat­te damals nie­mand auch nur eine Vor­ah­nung.

In der Coro­na-Kri­se mit Zeit­wert­kon­to fle­xi­bel blei­ben
Und heu­te, sechs Jah­re spä­ter? Hat sich durch das Modell die Mit­ar­bei­ter­mo­ti­va­ti­on nun ver­bes­sert? Und was machen die Mit­ar­bei­ten­den mit ihren Zeit­wert­kon­ten in die­ser his­to­risch ein­ma­li­gen Kri­sen­si­tua­ti­on? Die Per­so­nal­lei­te­rin in der Stif­tungs­zen­tra­le, Nico­le Rapp, stellt fest: „Das The­ma Zeit­wert­kon­to ist bei uns im Unter­neh­men ange­kom­men. Der gewünsch­te Moti­va­ti­ons­schub ist in allen Berei­chen und über alle Ebe­nen spür­bar.“ Und aus eige­ner Erfah­rung sagt sie: „Für mei­ne geplan­te Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­me hat­te ich bereits eine drei­mo­na­ti­ge Redu­zie­rung mei­ner Arbeits­zeit bean­tragt. Nun fand die­se Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­me wegen der Coro­na-Kri­se nicht statt. Aber dank mei­nes zeit­WERT-Kon­tos konn­te ich die Redu­zie­rung ganz fle­xi­bel wie­der aus­glei­chen.“

Frau Rapp der St. Elisabeth-Stiftung

Die Per­so­nal­lei­te­rin der St. Eli­sa­beth-Stif­tung, Nico­le Rapp, konn­te mit ihrem Zeit­wert­kon­to eine wegen der Coro­na-Kri­se nicht statt­ge­fun­de­ne Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­me und die damit ver­bun­de­ne Arbeits­zeit­re­du­zie­rung ganz ein­fach aus­glei­chen.

Den umge­kehr­ten Fall erleb­te die Lei­te­rin der Per­so­nal­ent­wick­lung der St. Eli­sa­beth-Stif­tung, Alex­an­dra Leeb. Da in der jet­zi­gen Kri­sen­si­tua­ti­on vie­le Ter­mi­ne aus­fal­len und Auf­ga­ben zurück­ge­fah­ren wer­den, ent­schloss sie sich kur­zer­hand, im Juni ihre Arbeits­zeit auf 30 Pro­zent zu redu­zie­ren, um ihre Bache­lor­ar­beit zu schrei­ben. „Unser Lebens­ar­beits­zeit­mo­dell macht das mög­lich. Das hilft mir enorm, und ich bin mei­nen Vor­ge­setz­ten sehr dank­bar, dass sie das aktiv unter­stüt­zen.“

Es ist eine Win-win-Situa­ti­on,“ bringt es Moni­ka Voll­mann-Schip­per von der Wohn­park­lei­tung der Stif­tung auf den Punkt. Mit­ar­bei­te­rin­nen, die bereits Frei­stel­lun­gen bean­tragt hät­ten, könn­ten die­se ein­fach rück­gän­gig machen und wie­der voll arbei­ten. „Das ist enorm kom­for­ta­bel für die Mit­ar­bei­te­rin­nen. Und ich freue mich dar­über, dass mei­ne Mit­ar­bei­te­rin­nen kurz­fris­tig wie­der ver­füg­bar und da sind. Die wei­te­ren Ent­wick­lun­gen der Coro­na-Pan­de­mie sind ein­fach nicht vor­her­seh­bar. Auf die­se Wei­se blei­ben wir extrem fle­xi­bel. Das wür­den wir ohne unser Lebens­ar­beits­zeit­mo­dell zeit­WERT nicht schaf­fen.“

Für Harald Röder zeigt das Bei­spiel der St. Eli­sa­beth-Stif­tung, wie Arbeit­ge­ber wie Arbeit­neh­mer mit Zeit­wert­kon­ten auch und beson­ders in einer Kri­sen­si­tua­ti­on ganz frei ver­fah­ren kön­nen. „Mehr Fle­xi­bi­li­tät bei gleich­zei­ti­ger Siche­rung der ange­spar­ten Gut­ha­ben ist in der Arbeits­welt der­zeit nicht mög­lich.“ Und des­halb ver­ste­he er auch, dass immer mehr Sozi­al­part­ner das Modell der Zeit­wert­gut­ha­ben zu einem fes­ten tarif­ver­trag­li­chen Bestand­teil machen woll­ten.

Über DBZWK:

Die Deut­sche Bera­tungs­ge­sell­schaft für Zeit­wert­kon­ten und Lebens­ar­beits­zeit­mo­del­le (DBZWK) mit Sitz in Lorch/​Württemberg kon­zi­piert, inte­griert und ver­wal­tet Zeit­wert­kon­ten­mo­del­le für Unter­neh­men jeder Art. Hier­zu gehö­ren Mit­tel­ständ­ler aus Indus­trie und Wirt­schaft, Ban­ken sowie sozia­le Ein­rich­tun­gen. Als ein­zi­ge Bera­tungs­ge­sell­schaft beglei­tet die DBZWK den kom­plet­ten Pro­zess, der maß­ge­schnei­der­te Wert­kon­ten­mo­del­le zum Erfolg für Mit­ar­bei­ter und Unter­neh­men macht. www.dbzwk.de

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